Natur-Club Rodewald | Carmen Lossie

Über mich

Schon als ich im Kindergarten war, wusste ich, dass ich einmal Erzieherin (oder damals noch Kindergärtnerin) werden würde. Jedes Schulpraktikum machte ich entweder im Kindergarten oder auf der Säuglingsstation und schon mit 15 Jahren (1987) begann ich mit der Ausbildung zur Kinderpflegerin (Hui, bin ich alt - Den Beruf gibt es heute schon gar nicht mehr!). Nach meinem Abschluss brauchte ich Freiraum und zog nach Norderney. Sonne, Strand und Meer und die Arbeit im Kinderkurkrankenhaus waren einfach toll. Damals fuhren Kinder noch alleine zur Kur und hatten es oft schwer. Ich habe unglaublich viel gelernt auf den verschiedenen Stationen. Ob Neurodermitis, schwere Behinderungen, Aids oder noch viel mehr - es gab viele Diagnosen und durch jeden einzelnen Menschen dort wurde ich geprägt.

Die Liebe, oder was ich damals dafür hielt, zog mich wieder aufs Festland. Ich arbeitete ein Jahr lang im Altenzentrum und bin jeden einzelnen Tag mit Freude zur Arbeit gegangen. Tatsächlich ähneln sich die Berufe der Erzieherin und der Altenpflegerin in vielen Dingen (Wobei die Arbeit mit alten Menschen körperlich erheblich anstrengender ist!). Auch unser Lebenskreis schließt sich irgendwann und so sind sich die ganz Jungen und die Alten im Verhalten wieder sehr nah. Nachdem ich mir für vier Wochen die amerikanische Pädagogik an der Westküste von Oregon anschauen bzw. miterleben durfte, startete ich mit meiner Erzieherausbildung. Zwei Jahre Fachschule waren sehr trocken und für mich wenig lustig aber das sogenannte Anerkennungsjahr, in dem ich schon als vollwertige Kraft im Kindergarten arbeiten durfte, war toll. Was für ein schöner Beruf!

Gleich nach der Ausbildung fing ich als Gruppenleitung im Kindergarten an zu arbeiten. Ich war oft recht aufgeregt, und besonders die ersten Elternabende trieben meinen Puls doch sehr in die Höhe. Meine Arbeit machte mir immer Spaß, und das Verhältnis zu den Kindern und deren Eltern war von Respekt und Anerkennung geprägt. Nach einigen Jahren arbeitete ich als Leitung im Kindergarten. Es machte mich stolz noch mehr Verantwortung zu haben. Bei meiner Hochzeit im Jahr 2000 streuten damals 25 Kindergartenkinder die Blumen. Ein wundervoller Tag!

Ich merkte aber relativ schnell, dass der ganze Papierkram, die Auseinandersetzung mit den Behörden und die Zeit, die man am Telefon verbringt nichts für mich war. Nach zwei Jahren wechselte ich wieder in den "ganz normalen" Gruppenbetrieb und arbeite seitdem im Waldkindergarten. Durch meine mittlerweile über 30 Jahre im Kindergarten konnte ich die Entwicklung und auch die Veränderung der Familien an sich gut beobachten. Dinge die damals selbstverständlich erschienen sind heute teilweise undenkbar oder zumindest nicht mehr alltäglich. Wie z.B. Freizeitgestaltung ohne Technik, tägliche gemeinsame, frische, selbst gekochte Mahlzeiten und vieles mehr.

Seit meiner Ausbildung zur Wildnispädagogin habe ich die Natur noch mehr lieben und schätzen gelernt und sehe bei meiner Arbeit und auch in meinen Kursen welche Wirkung die Natur auf uns Menschen hat. Selbst Ärzte verschreiben mittlerweile "Waldbaden" gegen Burnout und andere Krankheiten. Denn hier ist unser Ursprung und deshalb fühlen wir uns in natürlicher Umgebung so wohl und entspannt.

Mein Natur-Club, den ich 2008 ins Leben gerufen habe, ist mein Herzensprojekt. Viele Kinder haben hier schon abenteuerliche Geburtstage und spannende Kurse erlebt. Ganz besonders in der Ferienbetreuung , wo die Kinder fünf Tage am Stück Zeit im Natur-Club verbringen, merkt man wie sie die Woche über ruhiger, entspannter und zufriedener werden. Und strahlende Kinderaugen sind einfach das schönste Geschenk! Seit über zehn Jahren bin ich immer wieder auf naturpädagogischen Aus-und Fortbildungen. Ich durfte von beeindruckenden Menschen lernen und intensive Erfahrungen machen. Ob Schalen und Löffel herstellen, Körbe flechten, Knochen bearbeiten, Tiere fachgerecht zerlegen, Feuer machen, Hütten bauen und auch Kurse wie Gesprächsführung, Gruppenführung oder Gemeinschaft stärken prägten mein Leben sehr.

Einer meiner Lehrer sagte einmal: „Umso mehr du weißt, weißt du das du nichts weißt!“ Damals habe ich es nicht verstanden. Heute sehe ich es genauso. Ich bin nur ein kleines Licht in dieser schönen großen Welt. Aber auch kleine Lichter können strahlen. Meine Aufgabe in diesem Leben ist es, mein Licht weiter zu geben und den Kindern wertvolle Naturerfahrungen zu ermöglichen. Ihnen zu zeigen dass es eine Welt außerhalb von Konsum und Technik gibt, die unglaublich spannend und lehrreich ist und abenteuerlicher als alle Computerspiele je sein können. Kräuter sammeln, gemeinsam am Feuer kochen, Geschichten erzählen und dann unter den Sternen schlafen. Diese besondere Erfahrung machen leider zu wenige Menschen. Aber für den Zusammenhalt einer Gemeinschaft gibt es nichts intensiveres. Bei mir können Familien im Tipi schlafen oder im Zelt auf der Schafwiese, Feuer machen, kochen, durch den Wald stromern und die Seele baumeln lassen. Doch ich merke, dass die Hemmschwelle der meisten Eltern sehr hoch ist. Ohne fließendes Wasser, ohne Dusche nur mit einer Waldtoilette? Da ist die zivilisatorische Schutzschicht schon sehr dünn. Und gerade deshalb ist diese Zeit so wertvoll. Und wer sich traut sich auf so ein Abenteuer einzulassen, wird eine intensive und gemeinschaftsfördernde Zeit erleben. Ich würde mir wünschen dass mehr Menschen mutig voran gehen und ihrem natürlichem Dasein wieder näher kommen.

In meinen Natur-Club und auch durch meine Bücher können viele Menschen intensive Erfahrungen machen. Ich bin sehr dankbar für diese Möglichkeiten und freue mich sehr von Ihnen zu hören, zu lesen oder Sie persönlich kennenzulernen.

Ihre Carmen Lossie
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